Rezension: André Aciman – Mein Sommer mit Kalaschnikow

Nachdem ich nun die letzten Tage beruflich in Stockholm unterwegs war (einen Rückblick bekommt ihr noch!!!), hatte ich während des Hinfluges, der fitnessunterstreichenden Momente auf dem Stepper und den schlaflosen Abenden genügend Zeit ein weiteres Buch zu lesen. Ich gebe zu, dass 334 Seiten nun auch keine übermächtige Anzahl ist 😉

Aber nun zu meinem Anliegen, die Rezension über das Buch „Mein Sommer mit Kalaschnikow“ des Romanautors André Aciman (geb. 1951 in Alexandria, Ägypten). Weiterlesen sollte an dieser Stelle übrigens nur der Interessierte, dem ich zwar nicht die ganze Geschichte, wohl aber eine Vorschau und ggf.s auch das Ende des Buches erzählen bzw. vorstellen darf:

Mein Sommer mit Kalaschnikow - André Aciman

Mein Sommer mit Kalaschnikow – André Aciman

Kennt ihr die Menschen, die schneller reden als ihr denken könnt? Ähnlich wie Lucky Luke, der schneller schiesst als sein Schatten? Nein? Dann habt ihr etwas verpasst!

Und wenn doch: wunderbar! „Kalaschnikow“ ist einer von Ihnen!

Ich bin hin- und hergerissen von diesem Buch. Obwohl-

Wenn ich darüber nachdenke bin ich gar nicht von dem Buch hin- und hergerissen, sondern von dem Protagonisten, dessen Namen hier nicht genannt wird: ein namenloser, junger Harvard Literaturstudent aus Alexandria. Nachdem er die Prüfungen im ersten Anlauf nicht bestanden hat, beschliesst er, es beim nächsten Mal besser zu machen und ist fest entschlossen diese zu bestehen. Hochmotiviert nutzt er die warmen Sommertage und die Abwesenheit der Studenten, welche über die Semesterferien entfliehen, um auf dem Dach des Studentenwohnheimes zu lernen. Da ein und dieselbe Lokalität auch dem strebsamsten Lerner irgendwann einmal langweilig wird, entscheidet sich dieser immer mal wieder für eine kleines Auszeit in Form eines (EINES!!!) Eiskaffees in einem nahen Café. Ich betone die Anzahl so sehr, denn wie es bei Studenten gerne der Fall ist: sie sind pleite. Was heutzutage scheinbar nicht der Fall ist, wird jedoch deutlich, wenn ich darauf hinweisen darf, dass das Buch 1977 spielt.

Der namenlose Lernende flüchtet sich also erneut in eines der zahlreichen Cafés, in denen er den tunesischen Taxifahrer Kalasch kennenlernt. Und nun könnt ihr euch den Namen selbst herleiten: Kalasch spricht wie eine Schnellfeuerwaffe! Über das abtrünnige Amerika, dem er scheinbar so überdrüssig ist, dass er pausenlos darüber wettert, spricht er nicht; er feuert Kalschnikow-artige Salven ab um seinem Frust in irgendeiner Art und Weise Herr zu werden.

Doch es kommt wie es kommen muss: der Namenlose und Kalaschnikow freunden sich an. Ein tunesischer Taxifahrer und ein ägyptischer Harvard Student, beide fernab der Heimat mit nahezu keinen zukünftigen Perspektiven verbringen gemeinsam den Sommer. Und was machen zwei junge Männer ohne besonders viel Geld den Sommer über? Richtig: sie sprechen & wettern viel, trinken Alkohol, flirten und versuchen sich durch das Leben zu hangeln.

Die Irrungen und Wirrungen, die die beiden jungen Männer den Sommer, Herbst und Winter über durchleben (Abschiebung, Greencard, Geld und die Damenwelt) spielen eine große Rolle bei den scheinbar so unterschiedlichen Charaktern. Sie scheint nichts zu verbinden und doch werden viele schöne und –für das studentischen Leben– typische Szenen beschrieben. Alles überdeckt die aufkeimende und wachsende Freundschaft zwischen den beiden.  So lernen sich die beiden jungen Männer im Laufe des Buches immer besser kennen, nicht nur einander sondern vor allem sich selbst. Was anfangs als kumpelhafte Verbindung beschrieben wird, entpuppt sich mehr und mehr zu einer wahren Freundschaft die Höhen und Tiefen scheinbar überwinden kann.Doch immer stärker entzweit sich diese Freundschaft. Aciman beschreibt in diesem Buch in wundervoll klarer aber mitreissender Wortwahl die Verbindung und Entfernung dieser beiden Menschen. Sie teilen sich Wein, Weib und Gesang: denn ihre Liebe zu Frankreich -vor allem zu Paris- verbindet sie. Was bringt mich nun dazu, dass ich gegenüber dieses Protagonisten der scheinbar wie angegossen zu Kalasch zu passen scheint zweifeln lässt?

Die Art und Weise wie diese Freunschaft dann doch in die Brüche geht. Mehr als die Hälfte des Buches freut man sich immer wieder über die Tatsache, dass die beiden jungen Männer wie geschaffen füreinander scheinen, sie mögen einander, erleben wundervolle Stunden und sind scheinbar „ein Herz und eine Seele“:

Kalasch wusste genau, wo es am meisten weh tat.

Und er musste auch genau gewusst haben, wo mein wunder Punkt zu finden war. Er berührte ihn nie.

Was wünscht man sich somit mehr von einer Freundschaft?

Offenheit, Ehrlichkeit und am liebsten unendliche Dauer. Doch zum Ende dieses Buches bröckelt es: die beiden sind sich nicht spinnefeind, aber die Freundschaft die die letzten Monate überdauerte besteht scheinbar nicht mehr. Oder doch? Der Student hat seine Prüfungen bestanden, doch Kalasch ist nicht mehr da. Warum? Lest selbst, denn wie ich es bereits geschrieben habe, möchte ich es euch nicht verraten!

Herzlichst,

Jani.

Das Schätzchen von Buch wurde mir vom Verlag „KEIN & ABER“ zur Verfügung gestellt: nochmals herzlichen Dank. Ich hätte es wohl niemals selbst zur Hand genommen, bin aber überaus froh, es gelesen zu haben! Es hat sich wirklich gelohnt (man fühlt sich an alte Studienzeiten zurück versetzt….). Bestellen könnt ihr den Roman hier. Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit euch erst einmal eine Leseprobe heranzuholen (das PDF findet ihr unter dem Link).

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