Buchrezension: Das Huhn, das vom Fliegen träumte

Meine Lieben,

aktuell habe ich viel Glück, wenn es um das Lesen von Büchern geht. Vor einigen Tagen habe ich das Buch „Das Huhn, das vom Fliegen träumte“ von Sun-Mi Mwang gelesen.

Ich bin also mal wieder angetan, meinem Mann, dem ich es auch ans Herz gelegt habe und es gelesen hat, ist es in Summe trotzdem zu traurig. Doch entscheidet selbst:

„Ich lege keine Eier, nie wieder!“

So bestimmt wie das Buch anfängt, war es für mich ein leichtes mich sofort auf diese Geschichte einzulassen. Kein „rumge-eier“ (hihi, Wortspiel!), keine langen Vorgeschichten. Wunderbar! Achso, wer Wert darauf legt, Spoiler zu vermeiden sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen: ein bissl was mag ich schon erzählen:

Den Namen hat sich Legehenne „Sprosse“ selbst gegeben. Sie liebt Sprossen im wahrsten Sinne des Wortes, denn aus Sprossen entsteht viel Neues. Von ihrem Leben als Legehenne hat sie aber nun auch die Nase voll und möchte raus in die Welt. Das Buch beginnt sehr bewegend: das Huhn, das jeden Tag Eier legt um zu sehen, wie sie durch die abschüssige Metallrinne sofort aus dem Käfig kullern, ist seines Lebens überdrüssig.

Sprosses Blick aus Ihrem Legehennenkäfig

Es sieht von seinem Käfig aus das freilebende Huhn mit seinem prächtigen Hahn und den kleinen Küken und die Autorin beschreibt eine Sehnsucht, die mir beim Lesen am Anfang des Buches fast das Herz bricht. Sprosse beginnt zu hungern, sie möchte einfach keine Eier mehr legen die sofort wegrollen: ihr größter Wunsch sind eigene Küken. Wie der Zufall und ihr Schicksal es so wollen landet Sprosse schließlich als bereits „todgeweihtes Huhn“ im sogenannten Todesloch des Bauerns. Als sie sich bereits aufgegeben hat gelingt ihr mit unverhoffter Hilfe doch noch die Flucht vor dem Tod als unglückliche Legehenne. Man fiebert richtig mit, wie die kleine Legehenne ihr Leben erneut aufnimmt und sich nochmals mit aller Kraft für ein Leben entschließt. Nun sogar in Freiheit!

Doch was sich erst als Freiheit herausstellt wird für Sprosse schnell zu einem Albtraum. Niemand möchte sich mit ihr ab- und umgeben, niemand sieht sie als freilebendes Huhn: für alle Hoftiere ist sie die Legehenne, die nicht hierher gehört.

Der Kampf in Freiheit als fast schon naives Huhn, nimmt einen mit, lässt einen zweifeln, ob das die richtige Entscheidung gewesen ist, doch schnell kommt man wieder auf den Boden der Tatsachen, wenn man nur eine Sekunde an die wegkullernden Eier zu Beginn des Buches denkt.

Das herrenlose Ei?

Das herrenlose Ei?

Ein Buch in der Sprache so schlicht, wie es von der Geschichte kaum schöner hätte sein können. Man kann der Geschichte wunderbar folgen und es von Anfang bis zum Ende durchlesen: es gibt eigentlich keinen Grund diese -vergleichsweise wenigen- Seiten aus der Hand zu legen. Man schwankt zwischen Groll, Hoffnung, Zweifel und vor allem empfindet man sehr viel Mitgefühl für ein Tier, dessen Gefühle nicht besser beschrieben sein können um es uns so nah wie möglich zu bringen. Bei all der Vermenschlichung bleibt die Autorin aber sehr authentisch an den Erlebnissen und den -möglichen- Gedanken der Tiere.

Vieles lässt sich leicht auf das eigene Leben übertragen. So zweifelt man selbst auch häufig, gibt sich manchmal schon auf und doch wird einem mit dem Lesen dieses Buches erneut deutlich, wie sehr es sich zu kämpfen lohnt. Wie viele schwierige Zeiten im Leben kommen, wie oft man kurz vor dem Ende steht und dann doch wieder mit Gesten, Worten und Erlebnissen belohnt wird und versteht, was das Leben so lebenswert macht. Abschließend gibt es immer ein Ende, für jeden von uns -auch für Sprosse.

Welches das sein wird, möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel: Freude, Glück, Verzweiflung, das Loslassen und die Akzpetanz. Viele Themen durchlebt Sprosse die wir sehr gut nachempfinden können. Ein kurzes Buch, dessen Nachhall aber so unglaublich lang ist, dass ich sogar beim Schreiben dieser Rezension erneut einen kleinen Kloß im Hals habe. Meine Lieben: lest es!!! 3 Stunden Lesezeit und Gedanken für Wochen!

Das Huhn, das vom Fliegen träumte (Sun-Mi Mwang)

Das Huhn, das vom Fliegen träumte (Sun-Mi Mwang)

Melancholisch, fröhliche, sonnige Grüße an euch!

Herzlichst,

Jani.

Bestellen könnt ihr das Buch u.a. hier: Kein & Aber Verlag

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