Buchempfehlung: „Ehre“ von Elif Shafak

Meine Lieben,

ich habe eine neue Buchempfehlung für euch. Und dieses Mal ist es wirklich eine 1 mit Sternchen! Aber kommen wir zum Buch:

„Ehre“ von Elif Shafak

Ehre – Elif Shafak

Facts & Figures

Autorin: türkischsstämmig, geboren in Straßbourg

Originaltitel  : „Honour“

Erscheinungsjahr: 2012

Verlag: Kein & Aber AG Zürich – Berlin

Seitenanzahl: 525

Inhaltszusammenfassung

Die beiden Zwillingsschwestern Pembe und Jamila wachsen in einer -für unsere Verhältnisse- großen Familie auf: vor Ihnen gebar ihre Mutter bereits 6 Mädchen. Als junges, kurdisches Mädchen ist es schließlich Pembe, die ihr kurdisches Heimatdorf verlässt und mit ihrem Ehemann nach London zieht. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie bereits  einen Sohn, den sie mitnehmen und zwei weitere gemeinsame Kinder bekommen sie noch in London. Jamila hingegen ist durch einen Vorfall gezwungen unverheiratet zu bleiben und bleibt ihrem kurdischen Dorf als Hebamme treu. Was uns als „Chance“ für Pembe vorkommt wird für sie zum „Schicksal“: nachdem sie mit Adem, ihrem Mann, einige Jahre in London gelebt hat ist er spielsüchtig und mit einer anderen Frau abgehauen. Sie muss sich nun stark und anpassungsfähig zeigen, in einer Welt die ihr doch immer fremd sein wird. Sie hat einen Job, mit dem sie es schafft ein wenig Geld hereinzubringen, die einzigen Verwandten -ein Onkel und eine Tante ihres Mannes- greifen ihr unter die Arme und unterstützen sie. So tritt mit der Zeit auch der Älteste der drei Kinder, Iskender, in gewisser Art und Weise an die Stelle seines Vaters und nimmt den Platz des „Mannes im Haus“ ein. Was auf den ersten Blick wie ein guter Familienzusammenhalt aussieht, entwickelt sich auf den zweiten Blick zu einer wahren Tragödie, welche im Tod endet.

Elif Shafak

Meine Sicht der Dinge

Rosarotes Schicksal und Genug Schönheit: Frauennamen die man in unserer Welt nicht erwarten würde. Namen wie Zuckerwürfel heißt es in dem Buch und wie kann ich anders, als zustimmen? Niemand ahnt, welche Bedeutung die Namen der beiden Zwillingsschwestern Pembe Kader und Jamila Yeder im Verlauf dieses Buches annehmen werden. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber soviel vorweg: sie sind bezeichnend!

Elif Shafak schreibt -und das zum Glück!- schnörkellos: eine offene mit feinen Details gespickte klare Beschreibung eines -ja, was ist es?- Kulturdramas? Familienschicksal? Beides? Ich kann mich gar nicht genau festlegen, denn wir erhalten Einblicke in eine Kultur, die wir als Außenstehende nicht verstehen, sondern nur erahnen können. Hier (in Deutschland? In westlichen Kulturkreisen?) ist es nicht üblich beschnitten zu werden, um als Mann zu gelten; hier ist es nicht üblich, dass man bis zur Hochzeit wartet, ehe man sich als Frau dem Mann hingibt und hier ist es auch nicht unbedingt eine Schande zu erkennen, dass man sich nach einer Trennung neu verliebt hat. Aber exakt diese Beschreibungen der türkischen/kurdischen Kulturkreise geben diesem Buch ihre Spannung und Feinfühligkeit.

Was häufig zu Verwirrungen bei Lesern führen kann ist der Sprung durch die verschiedenen Zeiten der Geschichte: hier erfüllt er das gesamte Buch mit Leben. Wir beginnen 1992 und enden 1992: dazwischen reisen wir nach Istanbul, nach London, in ein kleines kurdisches Dorf. Und das immer zwischen 1945 und 1992. Dazu holt Elif Shafak den Leser in nahezu jede einzelne (Gedanken-)Welt der Protagonisten: die beiden Zwillingsschwestern Pembe und Jamila, Pembes Ehemann Adem, die drei Kinder (Yunus, Esma und Iskender) und auch vermeintlich Außenstehende beschreiben Ihre Erlebnisse und Gefühle häufig aus der eigenen Sicht heraus. Diese Schreibweise erleichtert es noch stärker vollständig in die Geschichte einzutauchen, sie ist der Schlüssel, um die so andersartige Denkweise dieser für uns so „fernen“ Kultur zu verstehen und sich hineinversetzen zu können. Denn das gelingt Elif Shafak wunderbar: sie holt den Leser ab, nimmt ihn mit auf eine Zeit- und Kulturreise in eine Familie die darum kämpft verwurzelt zu bleiben, sich London zu öffnen; über einen Zwiespalt zwischen Zusammenhalt und Loslassen können; auf den Balanceakt zwischen Hass und Verzeihen.

Was schmalzig und gefühlsduselig klingt ist wirklich eine Wucht von Buch! Ich kann dieses Meisterwerk (ja!!!) wirklich jedem Leser empfehlen, der sich auch nur einen Funken für das Genre „Roman“ erwärmen kann ans Herz legen. 525 Seiten klingen mächtig, aber das sind sie auf eine gewisse Art und Weise, denn diese Geschichte hinterlässt mächtig Ein- und Nachdruck. Aber zu recht.

Ich werde definitiv ein weiteres Buch von ihr lesen, ich denke die Wahl mit welchem ich weitermachen werde wird die schwierigste sein.

Und nun:

viel Spaß beim Lesen!

Was lest ihr gerade? Welches Buch könnt ihr mir empfehlen und warum?

Es grüßt herzlichst,

Jani.

Das Buch habe ich erneut über bloggdeinbuch.de bekommen und wenn ihr einmal abseits von Ama*on auf der Suche nach Büchern seid solltet ihr euch beim Kein & Aber Verlag umsehen –> Klick zur Bestellung des Buches von Elif Shafak!

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2 Antworten zu Buchempfehlung: „Ehre“ von Elif Shafak

  1. Vielen Dank für diese wirklich wunderbare Rezension. Das Buch hört sich nach meinem Geschmack an und ich werde es bestimmt bald auch lesen.

    Liebe Grüße sendet
    Jane

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